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augenoptik + optometrie

Siehst du nur oder blickst du durch?

Kooperation statt ,,Auge um Auge . . . . . "

Weitsichtigkeit ist nicht nur eine Frage der Sehkraft 

Es gibt immer wieder Versuche von Seiten des Berufsverbandes der Augenärzte
(BVA), die Fachkompetenz und Befugnisse der Augenoptiker, die durch höchst-
richterliche Rechtsprechung (BGH, BVG, BSG und BVerwG) bestätigt wurden,
nicht nur in Zweifel zu ziehen, sondern auch durch unseriöse Presseveröffentlich- ungen und fragwürdige Patienteninformationen zu diskreditieren.



Augenarztverband (BVA) ruft zum Kampf auf gegen das Refraktionieren beim Augenoptiker

Was Prozesse und gerichtliche Auseinandersetzungen bisher nicht bewirken konnten, soll nun eine neue, auf das
Marktgeschehen ausgerichtete Kampagne des BVA (Bundesverband der Augenärzte) bewirken: Die Kompetenz
des Augenoptikers soll in der Öffentlichkeit und gegenüber den Patienten/Kunden herabgesetzt werden.

In einer Pressemitteilung vom 27.10.2005 zieht der BVA die Refraktionsbestimmung durch den Augenoptiker grundsätzlich
in Zweifel. Unter der Überschrift: "Kopfwehbrillen: Wie das Auge den Optiker austrickst" spricht der BVA den Augen-
optikern generell die Möglichkeit ab, "richtige Werte" ermitteln zu können
, weil er keine Medikamente einsetzen dürfe.

Der BVA wörtlich: "Denn bei der augenärztlichen Untersuchung kann gegebenenfalls der Muskel mit leichten Medika-
menten entspannt werden. Und dann ist es möglich, die korrekten Werte der Refraktion, also der Fehlsichtigkeit, zu
messen." Optikernetz berichtete darüber bereits.

    klick!
In der BVA-Zeitschrift "Der Augenarzt" ruft der BVA seine Mitglieder dazu auf die
Refraktionsbestimmung als Kernkompetenz des Augenarztes zu begreifen, dem
Augenoptiker die
Kompetenz zum Refraktionieren abzusprechen und die Brille
direkt vom Augenarzt zu propagieren.


Optikernetz meint dazu: Das ist starker Tobak. Nimmt Herr Dr. Eckert nicht zur Kenntnis, daß inzwischen mehr als
60 Prozent aller Refraktionsbestimmungen in Augenoptikbetrieben stattfinden? Tendenz steigend!

Dr. Eckert ruft seine Kollegen dann auf nicht nur aufs "Operieren zu setzen" sondern auch die Brille direkt vom Augenarzt
zu forcieren. "Wenn Optiker und Optometristen in unser Gebiet eindringen, können wir gleiches Recht beanspruchen und die
Brillenabgabe über die Praxis forcieren..... Entsprechende Modelle sind bereits vorgestellt worden, es gibt Kollegen, die
gangbare Wege gefunden haben
und aus diesem Grund in das allgemeine Wehklagen nicht einstimmen mögen".

Optikernetz meint dazu: Diese Kampfansage ist deutlich und unübersehbar. Jetzt gilt es mit allen Mitteln Paroli zu bieten.
Eine excellente Ausbildung, gute und engagierte Arbeit in den Betrieben, eine den Verbraucher ansprechende Öffentlich-keitsarbeit, gemeinsame Werbung für die Refraktionsbestimmung beim Augenoptiker werden die Garanten dafür werden, daß die Augenärzte auch diese Schlacht verlieren.

Autor: Rüdiger Sturhan - Rechtsanwalt
Quelle:

Augenoptikerverband Westfalen vom: 27.10.2005 / optikernetz.de

 


Die hierarchische Position der Ärzte stehe einem modernen, auf Kooperation gegründeten Verständnis von Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe im Wege!

In der „Zeitschrift für Medizin - Ethik - Recht“, vom 2. Ausgabe 2010, befasst sich Prof. Dr. Winfried Kluth (Halle)
mit dem Reformbedarf im Bereich des Berufsrechts der Gesundheitshandwerke.

Prof. Kluth konstatiert, dass bei den Gesundheitsberufen wie z.B. den Augenoptikern und Hörgeräteakustikern der Anteil
der im klassischen Sinne handwerklichen Tätigkeitsanteile abnimmt, andererseits aber bereits heute ein erheblicher Teil der
Berufsanfänger über einen Fachhochschulabschluss verfügt mit der Folge, „dass die Prägung durch die handwerkstypische
duale Ausbildung zurückgeht und über eine Neuausrichtung der Berufsfelder nachgedacht werden sollte.“

Prof. Kluth hebt hervor: „Soweit auf gesetzlicher Grundlage einem Gesundheitsberuf auf der Basis einer entsprechenden
Qualifikation bestimmte Tätigkeiten erlaubt sind, spielt es grundsätzlich keine Rolle, ob diese auch als Heilkunde im Sinne
des Heilpraktikergesetzes zu qualifizieren sind……….“ Zweck des Heilpraktikergesetzes sei es nämlich nicht, die
Regelung von weiteren speziellen Berufsbildern im Bereich des Gesundheitswesens zu untersagen oder die Heil-
kunde den Ärzten und Heilpraktikern vorzubehalten.
Vielmehr solle nur eine Tätigkeit ohne Erlaubnis verhindert
werden.


In diesem Zusammenhang verweist er auf das Screeningtesturteil des Bundesverfassungsgerichtes vom August 2000, aus
dem er die allgemeine Regel ableitet, dass die Reichweite der Betätigung eines Gesundheitsberufs der sachlichen Reich-
weite der Ausbildung entspricht.


In derselben Zeitschrift weist der Autor S. Bauer darauf hin, dass der ärztliche Berufsstand der Entlastung bedürfe.

(„Die Delegation ärztlicher Leistungen heute - und morgen?“). Damit er sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren
könne
, sei er darauf angewiesen, bestimmte Aufgaben an nichtärztliches Personal zu delegieren. Er weist darauf hin,
dass es aus verfassungsrechtlicher Sicht keinen ureigenen Bereich ärztlicher Tätigkeiten gibt. Vielmehr seien die
Beschränkungen von Tätigkeiten auf Ärzte als Ausnahmen von der Berufsfreiheit anzusehen!

Dies wird allerdings häufig von Augenärzten anders dargestellt. S. Bauer kommt zu dem Ergebnis, dass die
verbesserte Ausbildung des nichtärztlichen Personals mittel- bis langfristig dazu führen kann, dass die dem
Kernbereich des Arztvorbehalts unterfallenden Aufgaben zusammenschmelzen. In diesem Zusammenhang sind
auch die vom Zentralverband der Augenoptiker initiierten Fortbildungsmaßnahmen „Optometrist (HWK)“ zu sehen.

Autor: Joachim Goerdt - Rechtsanwalt
Quelle:

Zeitschrift für Medizin - Ethik - Recht vom 27.12.2010

 


Augenoptiker dürfen sich zu Optometristen fortbilden

Der Berufsverband der Augenärzte (BVA) und einzelne Augenärzte sind am 20. März 2012 vor dem Sächsischen
Oberverwaltungsgericht mit dem Versuch gescheitert, ein Fortbildungsangebot der Handwerkskammer Dresden
für Augenoptiker zum Optometristen zu stoppen. Das Gericht wies die Klage ab, da Augenärzte von dem Angebot
nicht in ihren eigenen Rechten betroffen seien.

Grundlage der von den Augenärzten angegriffenen Fortbildung zum Optometristen ist die aktuelle Meisterprüfung im Augen-
optiker-Handwerk. So ist es unter anderem Aufgabe der Augenoptiker, die Augen der Kunden zu untersuchen, um Auffällig-
keiten – die von den Augenärzten anschließend abgeklärt werden müssen – aufzudecken. Die hierfür erforderlichen
Kenntnisse sollen Augenoptiker durch die Fortbildung auffrischen und vertiefen, denn die Optometrie ist die Lehre von den
Messungen und Bewertungen von Sehfunktionen.

Das Argument der Augenärzte, Augenoptiker würden heilkundlich tätig werden, wenn diese mit verschiedenen
optometrischen Untersuchungen Auffälligkeiten an den Augen der Kunden feststellten, ließen die Richter nicht gelten.
Auch sei eine Beeinträchtigung der Berufsfreiheit der Augenärzte durch die Tätigkeit der Augenoptiker nicht gegeben.

Die von den Augenärzten befürchtete Schmälerung ihrer Einnahmen falle in keinen Schutzbereich, die Grund-
rechte schützen nicht vor unerwünschter Konkurrenz, begründeten die Richter ihr Urteil. Die bereits begonnen
Fortbildungen zum Optometristen können an der Handwerkskammer Dresden folglich fortgesetzt werden.

Quelle:            Redaktion EYEBizz vom 22. März 2012